Frage von Merhaba: Welche Stillmittel gibts noch hier im Text?
Nennt mir nur die die ihr auch gefunden habt, müsst nicht alle sagen
Den ersten Teil habe ich schon also das habe ich jetzt hier auch nicht eingefügt.
Abschätzigkeit der Jugend gegenüber gehört zu den immer wiederkehrenden Reaktionen des
Alters, schon seit Sokrates. Nicht als Privileg – das Alter hat kein Anrecht darauf –, sondern
als Stereotyp; warum das so ist, darauf komme ich noch zu sprechen. Dennoch, wenn ich ehrlich
bin, ist dies das Bild, das ich von Euch habe. Wobei ich mir natürlich überlege, ob das an
meinem Blickwinkel liegt, der Überheblichkeit, in der sich nur die Selbstgerechtigkeit von
jemandem ausdrückt, der doppelt so alt ist wie Ihr. Nichts gibt mir das Recht, Euch so pauschal
abzukanzeln – Nein, wenn ich es mir jetzt herausnehme, dann weil ich mich – so seltsam
dies klingen mag – jünger fühle als Ihr.
[...]
Diktatur und Armut, Bürgerkrieg, Terrorismus, Seuchen und Religionen, Dürren und Überschwemmungen
– all das kennt Ihr als Schlagworte von Themen aus dem Unterricht. Doch
auch wenn sie verbunden sind mit einer Kritik der freien Marktwirtschaft und Sozialkunde –
sie werden immer so präsentiert, als wären sie bloß „Probleme”. Ein Mangel an Aufklärung,
Kultur und Zivilisation, etwas, das noch nicht dem normalen Stand der Dinge entspricht. Abwege
und Irrwege einer Entwicklung, die sich irgendwann einmal zum Guten wenden wird.
Dagegen spricht jedoch die ganze Menschheitsgeschichte. Von den Hominiden7 bis zum Homo
sapiens ist sie eine der Gewalt: die der Natur und der eigenen. Denn trotz aller Globalisierung,
die McDonald’s, Pauschaltourismus, Internet, Mobilnetze und Satellitentelefone glauben
machen, hat sich die Welt nicht verändert, und sie wird es in absehbaren Jahrhunderten auch
nicht. Heute quer durch Asien zu reisen, von Kairo nach Kapstadt oder von Alaska über Mittelamerika
nach Feuerland, ist mit ebenso großen Gefahren, Unwäg- und Unwegbarkeiten
verbunden wie zur Zeit Magellans oder Marco Polos. Gleich ob durch hausgemachte Klimaerwärmungen
oder naturgegebene Eiszeiten, Kriege oder Erdbeben: Existenznot ist der Regel-
fall. Und der Mensch schon von der Evolution so angelegt, jeder Bedrohung zu trotzen. Auch
dann noch, wenn sie einem in der eigenen Spezies begegnet: homo homini lupus8.
Dieses Wölfische ist es, das uns ausmacht. Und sein Hungern in uns – nach allem, Realem
und Symbolischem, einem Paradies auf Erden ebenso wie nach Gott im Himmel. Es ist die
Ursache aller Aggression, aber auch allen Glücks.
Ich will mich nicht als Beispiel vorführen; Lebensgeschichten lassen sich nicht werten. Deshalb
läuft das, was ich Euch vermitteln kann, letztlich auf keine Moral hinaus: Denn alles,
was man tut, ist in letzter Konsequenz immer zum Scheitern verurteilt. Das ist die Lektion,
die ich mit fünfzehn gelernt habe: nachdem ich ein wunderhübsches Mädchen mir gegenüber
im Zug ein rotes Taschenbuch lesen sah, so vertieft darin, dass sie mir nicht die geringste Beachtung
schenkte. Der Autor klang vertraut, weil mein Vater eine Cognacflasche dieses Namens
im Schrank stehen hatte: Camus9. Der Mythos von Sisyphos war der Titel, aber von ihm
konnte ich bloß sagen, dass er jeden Tag einen riesigen Stein auf den Hügel rollte, um ihn auf
der Kuppe loszulassen und wieder von vorn zu beginnen. Ein Emblem des Existentialismus
war das, wie ich dann selbst herausfand; weil das Leben absurd ist, besteht aller Stolz darin,
sich dagegen aufzulehnen, um alles Glück in diesem Stein zu finden. Zu scheitern, wieder zu
scheitern und besser zu scheitern, wie Samuel Beckett gesagt hat. Für mich brachte ich das
auf einen einfachen Nenner: Es bedeutet für mich, so zu leben, dass wenn mir ein Dachziegel
auf den Kopf fiele, ich mein Leben bis zu diesem Augenblick in aller Fülle gelebt hätte. Es
ist deshalb, dass ich mich jünger als Ihr fühle: fünfzehn. Und froh bin, dass ich diesen halbwüchsigen
Burschen in mir nicht verloren habe. Das ist es, was ich auch Euch nun wünsche,
aus ganzem Herzen: Das Talent, alt zu werden, ohne dabei erwachsen zu werden. Oder wie
die Franzosen sagen: il faut avoir du talent pour vieillir sans devenir adulte.
Beste Antwort:
Answer by 便利
Ich habe den Text nur überflogen, aber vom Stillen steht da nix drin.
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